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Literatur

Lost Merkel

von Bernd Zeller


112 Seiten
© SOLIBRO Verlag, Münster 2013
www.solibro.de
ISBN 978-3-932927-56-0



Stefan Aust scheint sehr angetan von Bernd Zellers Begleiterin zu sein, worauf Zeller erst einmal die Verhältnisse zurechtrückt. Schließlich ist er der Assistent und Frau Wulff seine Chefin. Der einstige Spiegel-Boss zeigt sich wenig begeistert von der allgemeinen Lage und Entwicklung in seinem Geschäft. Nicht nur sein Anwesen, sondern auch seine Pferde hätte er verkleinern müssen. Aus dem Kreis der Verdächtigen scheint er sich erfolgreich herausargumentieren zu können, indem er der Story einer Entführung nicht abzusehende Kosten in den Redaktionen gegenüberstellt. Es würde sich schlicht und einfach nicht mehr lohnen. Per Internet wäre der Aufwand natürlich erheblich geringer, aber in diesem Fall müsste gewährleistet sein, das sich die Sache etwas länger zieht. Aber schon wegen der Komplikationen, die mögliche Trittbrettfahrer auslösen könnten, käme für ihn ein solches Unternehmen nicht in Frage.

Offenbar also wieder eine falsche Spur. Was also tun? Der persönliche Auftrag von Wolfgang Schäuble, sich um den Fall der entführten Kanzlerin zu kümmern, entpuppt sich erwartungsgemäß als harte Nuss. Privatdetektivin Bettina Wulff und ihr Assistent stehen somit ganz schön dumm da ...

... so wie die ganze Geschichte überhaupt. Ich kann mich gar nicht erinnen, jemals einen solchen Schmarrn gelesen zu haben. "Es gibt Satire, die ist staatstragend, und es gibt Satire, die richtig wehtut!" heißt es auf dem Bucheinband. Stimmt genau - aber nicht in diesem Buch! Dabei geht es vielversprechend los, wenn Schäuble beispielsweise telefonisch mitteilt, man müsse wohl mit "dem Schlimmsten rechnen...", die Satzaussage dann aber grundlegend ändert! Auch die Pointe mit dem Erpresserfoto sitzt und könnte in der Tat etwas "wehtun", aber das ist es dann schon fast gewesen.

Na ja, witzig ist "Lost Merkel" stellenweise schon, doch wirken die Gags mühsam zusammengeschraubt, so wie jene "Gruppe jugendlicher Jugendlichen vom Typ junge Männer". Bemüht lustig auch der Fensterplatz in einem russischen Lokal. Man sitzt gemütlich hinter Panzerglas, kann jedoch keine Aussicht genießen, da vor dem Fenster ein Panzer parkt. Vorher rief man natürlich Herrn Schröder an, der seinerseits Putin veranlassen sollte, für problemlosen Zutritt zur Lokalität sowie entprechender Bedienung Sorge zu tragen. Mein Gott, ist das komisch ...!

Peinlich wird es gar mit einem kleinen Seitenhieb an die Adresse von Norbert Röttgen, der mit einem niedlichen Kraftausdruck bezüglich seiner Funktion in der Regierung bedacht wird. Wer darüber lachen kann, dem gratuliere ich herzlich. Aber gut, das gemeine Volk lacht bereits über weitaus preiswertere Formulierungen - wohl dosiert und fein abgeschmeckt aus den Großküchen der Firma Gags am laufenden Band. Punkten kann dann wieder eine Passage in Sachen "Deutung" bezüglich einer Aussage Edmund Stoibers. Den Karren aus dem Dreck ziehen kann man damit jedoch nicht - insgesamt ist das einfach zu wenig.

Und was bitte sehr soll an dieser Story "heftig" sein (wenn man von der deftigen Schlusspointe einmal absieht)? Die Kanzlerin wird entführt, rasch befreit und ein für das Wahljahr passender Zusammenhang hergestellt. Klar, am Ende gibt es eine Überraschung, doch aus dieser zusammengetackerten, satirisch angehauchten Fantasy-Klamotte hätte man mehr machen können. Insofern verschenkt "Lost Merkel" hier einiges an Potential.
Als Notizen für eine Romanvorlage durchaus brillant, bleibt so nur der Eindruck, einen (besseren) Schulaufsatz eines (rotzfrechen) Sechzehnjährigen gelesen zu haben. Man sollte halt seine Arbeiten nicht zu früh abgeben ...

Andererseits, wenn man den Schriftgrad entsprechend anhebt, kann man sogar ein kleines Büchlein daraus machen. Noch ne Mogelpackung. Insgesamt weder "verrückt", noch "unheimlich" ... selbst wenn noch eine Horde von Untoten die Bühne betritt, oder heutzutage ebenso übliche wie unsagbar dämliche Blutsauger für Abwechslung sorgen sollen. Ach ja, fast vergessen: "Tempelhof ist Vampirgebiet."

Moooment, ich habe die Lösung. Im nächsten "Yps" soll es angeblich das erste Sammelteilchen für einen prima Reißwolf geben! Derweil warte ich auf aktuelle Nachrichten des Bundespräsidenten. Er sollte schleunigst den "Normalzustand" verhängen.

 

Thomas Lawall - Mai 2013

 

 

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