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Literatur

Licht in der Manteltasche

von Klára Hůrková


76 Seiten
© chiliverlag, Franziska Röchter
www.chiliverlag.de
ISBN 978-3-943292-86-2



Irgend etwas ist anders als sonst, was schon gleich der erste Fehler bei oberflächlicher Betrachtung ist, denn eigentlich ist alles anders. Das fängt schon bei der formalen Gestaltung von Klára Hůrkovás neuester Gedichtsammlung an.

Das Hardcover könnte gleich zu mehreren Interpretationen anregen. So als ob es uns, nachdem der alte Verlag der Autorin aufgeben musste, sagen möchte: "Hallo, da bin ich wieder, und jetzt machen wir Nägel mit Köpfen!" Vielleicht leitet es auch eine Art Übergang ein, in Zeiten, die es (nicht nur) Lyrik immer schwerer machen. Wenn schon am Horizont der Untergang droht, dann bitte sehr mit Stil! Oder ist es ein Sinnbild für die glatte Bodenlandung einer Stil- und Themenänderung? Kurz sprühen Funken auf bei der harten Landung, oder wird hier im Umkehrfall ein (neues) Licht entzündet?

Dass es schon so spannend wird, ohne das Buch überhaupt aufgeschlagen zu haben, hätte sich der Rezensent nicht vorzustellen gewagt, zumal es schon aufregend genug war, dieses überhaupt zu bekommen.

Es hat sich also viel geändert. Die elfte Gedichtsammlung kommt komplett in deutscher Sprache - die schon fast gewohnte Übersetzung ins Tschechische fehlt. Die vier Kapitel stehen für verschiedene Lebensstationen, jeweils durch eigene, unabhängig entstandene, Ölbilder markiert. Den Text unterlegen sie auf allen Seiten in diskretem Grauweiß, halten sich also vornehm zurück, unterstreichen aber in ihrer Eigenständigkeit dennoch die entfernt verwandten Verse.

Man könnte so viel erzählen über dieses Buch. Allein wie unterschiedlich Zeilen klingen, die sich auf New York, Norrköping, München oder Frankfurt am Main beziehen, oder was es in einem kleinen Bistro, einer "altmodischen Glamour-Oase", zu entdecken gibt. Stets dieser lebendige, hellwache Blick, dem nichts entgeht, und sei es nur jene kluge Maus:

"Du bist so klein
und doch zwingst du mich
dich als eine große Sache zu sehen ..."

Noch größer wird es in "Unwucht", wobei der Rezensent nicht zu viel verraten möchte. Nur eine Frage beantworten vielleicht. Die nach dem Großen und Ganzen sicherlich nicht, aber zu jenen Versen, die noch gar nicht existieren: Hoffentlich noch sehr viele!

"Licht in der Manteltasche" ist eine Landung, wobei jetzt niemand glauben muss, jene Landebahn sei nicht auch eine Startbahn. Der Ausflug in die Gegenwart, das Leben und die Haltestellen der Dichterin zeigen einen so nicht unbedingt gewohnten Realitätsbezug, aber wieder jene so geschätzten glasklaren Bilder. Lieder vom Gehen, Ankommen und Verschwinden, dem Spirituellen einstweilen den Rücken gekehrt, oder folgt nun ein weiterer Start in das Reich zwischen allem? Wie es auch sein wird, spielt heute keine Rolle.

"Am Ende bleibt doch ohnehin
nichts übrig ..."

Nach der Lektüre der Sammlung doch zunächst ziemlich viel. Da ist zuerst dieses "Licht", welches Klára Hůrková großzügig, aus ihrem schier unerschöpflichen Vorrat, an jene verteilt, die es gerade ebenso gut gebrauchen können. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es das ja eigentlich gar nicht.

"Deshalb sind Träume
unsere wahrhaftige Kunst."

 

Thomas Lawall - April 2021

 

 

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