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Literatur

Lexikon der bedrohten Wörter

von Bodo Mrozek


220 Seiten
5. Auflage Mai 2006
© 2005 by Rowolt Verlag GmbH,
Reinbek bei Hamburg
ISBN 13: 978 3 499 62077 5
ISBN 10: 3 499 62077 4


Nicht nur die Wüste lebt, sondern auch die deutsche Sprache. Und sie vermehrt sich unaufhaltsam. 1880 erschien der erste DUDEN. Die erste Ausgabe enthielt 27000 Wörter. 2005 waren es bereits 125000! Inzwischen dürfte jeder neue DUDEN schon fast veraltet sein bzw. dem Tempo der sich ständig wandelnden Sprache nicht mehr folgen können. Sind es nun die neuesten Auswüchse der Jugendsprache oder die Kreationen unserer multikulturellen Gesellschaft überhaupt. Kuckst du!

Doch um unsere expandierende Muttersprache geht es in diesem Lexikon nicht. Eher um das Gegenteil. Denn dort wo Neues entsteht, muss Altes oft weichen. Nicht wenige Wörter geraten in Vergessenheit, selbst wenn sie noch gar nicht so alt sind. Beispiel: Wer hat heute noch einen Walkman oder gar ein Kassettendeck? Also das waren die Dinger, die so kleine Magnetbänder abspielen konnten. Viele Kids kennen diese Art der Musikkonservierung heute gar nicht mehr, was ein "Bandsalat" bedeutete folglich ebenfalls nicht. Die Folge: Das Wort stribt aus. Schade eigentlich!

Der Journalist und Autor Bodo Mrozek hat sich dieses Problems angenommen. Er betreibt somit "Artenschutz" und rettet die mitunter recht drolligen Wortschöpfungen vor dem sicheren Tod durch Vergessen.

Oder wer weiß z.B. noch, dass ein "Afterarzt" keine Darmspiegelungen machte, sondern einst die Bezeichnung für Kurpfuscher oder Scharlatan war. Autofahrer nannte man "Fußgasaffen" und Hausdrachen "Xanthippen". Eine "Latüchte" war nichts anderes als eine Laterne und "Olf" die Maßeinheit für die Stärke von Gerüchen. Ein "Remedur" war kein Käse, sondern die Abstellung eines Missbrauchs und an die "Punze" erinnern sich nur gelernte Schriftsetzer. In einem "Backfischaquarium" gab es keine Fische und im "Café Achteck" keinen Kuchen! Ein "Datenhandschuh" war nutzlos und ein "Karnickelpass" sehr familienfreundlich...

Um das eine oder andere Wort ranken sich bestimmte Geschichten und Begebenheiten, die der Autor in vergnügliche Miniaturen verwandelt. Hierbei kommt er ohne "Imponderabilien" aus, weshalb dem Leser keinerlei Anlass gegeben wird, das Buch "indigniert" auf die Seite zu legen, bevor er es nicht in einem Zug ausgelesen hat...!

Sortiert sind die Schmankerl von A-Z. Einziger Kritikpunkt: Es fehlt leider ein alphabetisches Register, was eine gezielte Suche unnötig erschwert. Der Umfang ist aber gerade noch übersichtlich... weshalb das Werk auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die Sammlung ist jedoch keineswegs abgeschlossen. Deshalb können wir auf der Homepage des Autors weitere "bedrohte" Wörter eingeben bzw. "beantragen", und uns einstweilen auf eine Fortsetzung und Aktualisierung des Lexikons freuen...

Fazit: Sehr unterhaltsamer "Spannungsbogen". Sprachnostalgie. Wörter-Flohmarkt.

www.bedrohte-woerter.de

 

Thomas Lawall - Juli 2006

 

 

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