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Literatur

Last Shot


von Hazel Frost


368 Seiten
© 2019 Droemer Verlag
www.droemer.de
ISBN 978-3-426-30642-0



Was'n jetzt kaputt? Ich sag's ja immer: Die neuen Wilden sehen alle gleich aus. So auch Hazel Frost, die genauso aussieht wie Katja Bohnet. Tss, denen fällt echt nichts Neues mehr ein. Sogar beim selben Optiker scheinen sie sich für das gleiche Kassengestell entschieden zu haben. Na das kann ja was werden, möchte man denken ...

... und schon irrt man sich gewaltig. Qualitativ unterscheiden sich die Werke der ruppigen Damen zwar nicht wesentlich, thematisch und in der Vehemenz des Ausdrucks aber schon. Während Frau Bohnet Hauptaugenmerk auf ihre verkorksten Hauptdarsteller Lopez und Saizew richtet (die jetzt dringend Erholung benötigen), stellt uns Frau Frost Individuen vor, die sich, was Verrohung und Zerfall ihrer Persönlichkeiten betrifft, in einem weitaus fortgeschritteneren Stadium befinden.

Sie macht auch nicht so lange rum mit Sex, Gewalt und Action ganz allgemein. Es wird getan, was getan werden muss und dies unmittelbar. Als druff! Cineastische Hardcore-Fans würden sicher Spaß mit einer Verfilmung des Stoffes haben, zumal Frost so schreibt, wie Tarantino dreht! Zudem lässt sie, was ihre ungezügelte Wortwahl betrifft, jedes gut sortierte Schimpfwörter-Lexikon alt aussehen.    

Schwierig, weitere Loblieder zu singen, denn wortgewaltige Literaturkritiker, welche tonnenschwere Metaphern abzuladen verstehen, haben bereits alles gesagt. Sehr beeindruckend. Was soll man dem noch hinzufügen, zumal Titel und -bild so gut wie alles verraten. Den Rest lässt man sich vom Klappentext besorgen und schon kann die Achterbahnfahrt beginnen. Selbige fährt jedoch in einem völlig anderen Tempo, als dies auf den jämmerlichen Jahrmärkten Usus ist!

Normalerweise kommt jetzt der Spoilerteil, aber ich will mich bewusst dagegen entscheiden, weil einfach Freude angesagt ist. Und die will ich noch etwas auskosten. Freude? Hä? Wieso? Ganz einfach: Die Langeweile im Bereich der literarischen Gewaltverbrechen und deren Aufklärung nimmt weiter zu. Die schriftlich niedergelegten Belege dazu steigern sich proportional. *gähn*

Die Autorin zeigt sich mit Erfolg um Abhilfe bemüht. Eingefahrenen Lesegewohnheiten begegnet sie mit literarischen Ohrfeigen, schreibt jene Erwartungen in Grund und Bogen, und löst damit Glücksgefühle bei denjenigen aus, die angesichts der Flut des "spannenden" Einheitsbreis der Verzweiflung nahe sind und hier und da bereits daran gedacht haben, die noch zur Verfügung stehende Lebenszeit etwas zu verkürzen, um dem Elend zu entfliehen.

Das lohnt sich spätestens jetzt nicht mehr. Hazel Frost schreibt frech, unverschämt, gar nicht fromm, nicht um den heißen Brei herum und gibt dunklen Phantasien Raum, um sie gelegentlich mit perfidem Humor zu lasieren. Selbst Herr Winslow kann das nicht besser. Dazu noch die ungewöhliche Erzählstruktur, insbesondere die Betrachtungen einzelner Szenen aus unterschiedlichen Standpunkten und Perspektiven. Hoffentlich war das kein Ausrutscher im Programm des Droemer Verlags. Bitte mehr davon. Danke.

Und ja, die optischen Ähnlichkeiten mit lebenden Autorinnen sind sicher rein zufällig und sowieso nicht von Belang. Die sehen doch eh alle gleich aus ...

Fazit: Ist das Buch zu Ende, bleiben tausend Bilder. Besser als jeder Film. Fels im Ozean des Genres. Thriller = Frost!

 

Thomas Lawall - August 2019

 

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