Literatur

Jasná setkání - Klare Begegnungen

Česko-německá antologie poezie -
Eine deutsch-tschechische Lyrikanthologie


Ausgewählt und übersetzt von Klára Hůrková


232 Seiten
Edition © Klára Hůrková, 2018 
Translation © Klára Hůrková, 2018
© Dauphin, 2018
ISBN 978-80-7272-982-1



In ihrem Bemühen, Leserinnen und Lesern einen ebenso kleinen wie unverbindlichen Überblick über das aktuelle poetische Schaffen
Deutschlands und Tschechiens zu ermöglichen, entstand der vorliegende Band "Jasná setkání - Klare Begegnungen" als dritter Band in der Reihe ihrer deutsch-tschechischen Anthologien, der erstmals auf Kurzprosa verzichtet, um sich auf lyrischer Ebene voll und ganz entfalten zu können.

Klare Begegnungen sind also angesagt, wobei allzu "Klares" hier im eigentlichen Sinn nicht zu erwarten ist, was ja auch nicht unbedingt den Sinn von Lyrik bedeutet (und jetzt keinesfalls falsch verstanden werden soll). Wenn man so will, könnte sich jene Klarheit erst einmal auf den formalen Teil beziehen. In gewisser Weise vielleicht sogar ausschließlich. So sind die Zeilen der Lyrikerinnen und Lyriker in keinerlei nationalen Rahmen gezwungen worden. Sie sortieren sich gleichberechtigt nach einer höheren Ordnung, den vier Jahreszeiten ...

... dort, wo die "Klarheit" aber gleich wieder verschwindet, sollte man es wagen, den Versuch zu unternehmen, das eine oder andere Gedicht in den gegebenen Bezug setzen zu wollen. Denn was haben Gerald Jatzeks "Augenblicke" mit Frühling zu tun, und wo ist Sommer in Katarína Hegyesys "je večer"? Auch den Herbst vermisst man in Roman Szpuks "***" und den Winter in Wilfriede Weise-Neys "In deinem Netz" erst recht.

Aber was soll's - Gedichte machen eh, was sie wollen, auch wenn bei Safiye Can, Alena Vávrová, Matthias Kehle oder Regine Mönkemeier der Bezug wieder stimmen mag. Obwohl zuletzt genannte Autorin mit "So ist es und so" schon wieder aus jenem Rahmen fällt, was vielleicht symptomatisch für dieses ganze Buch gilt. Eine weitere Besonderheit ist die Verhinderung einer eindeutigen "klaren" sprachlichen Hauptrolle, da jeweils das Originalgedicht hier die erste Geige spielt.

Man kann also getrost loslassen und aufhören mit dieser Sucherei und dem ewigen Hin- und Herschieben in diesen Schubladen, die wir immer so gerne öffnen und schließen, wenn wir nicht weiterkommen und -wissen. Außerdem ist es doch immer so, wenn wir auf dem Drahtseil Sinn und Wirklichkeit nach Dingen suchen, die wir womöglich gar nicht brauchen. Das eine erschließt sich uns sofort und das andere versetzt uns in ewige Rätsel-Haft.

Soll heißen: Es bereitet sehr viel Freude, sich mit dieser bunten Auswahl an Texten und jenen Autorinnen und Autoren intensiv auseinanderzusetzen, den Tag, abends und vielleicht schon im Bett liegend, abzuhaken und zu vergessen. Nach nur wenigen Worten betritt man die endlose lyrische Hochebene, trifft unterschiedlichste Menschen von überall her, die irgendwie doch alle miteinander verwandt sind.

 

Thomas Lawall - August 2021

 

 

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