Literatur

Fischkopp-Vendetta

von Patricia Brandt


284 Seiten
© 2026 - Gmeiner-Verlag GmbH
www.gmeiner-verlag.de
ISBN 978-3-8392-8070-6



Das fängt ja gut an. Sogar mit einem Vorwort und, man lese und staune, einem Personenverzeichnis, welches der Rezensent bei den meisten Büchern gerne sehen würde. Gleich fünf Seiten sind der Autorin die Vorstellung des Ensembles wert, was jedoch nicht bedeutet, dass hier alle Protagonisten berücksichtigt wurden. Dazu sind es zu viele...

Und Rätsel übrigens auch. Beispielsweise jene seltsamen Grabungen, die sich hinter dem alten Bauernhof befinden, den ein gewisser Wolfgang Diepenstroh der großstadtflüchtigen Carmen Bachmann, ihrem Mann Martin und zwei weiteren Ehepaaren verkauft hat. Ob er dort wohl einen Teich, ein Kartoffelbeet oder etwas viel Schlimmeres anzulegen gedachte?

Oder wie es sich wohl mit einem Zusammenhang zwischen dem spektakulären Prolog und den weiteren, zunächst etwas beschaulicheren Ereignissen verhalten mag? Unzweifelhaft ist jedoch die Tatsache, dass Patricia Brandt ihre Figuren ziemlich lieb hat. Wie sonst könnte es sein, dass sie ihnen ganze Kapitel für ihre Charakterisierungen widmet und ihre Namen sogar die Kapitelüberschriften zieren.

Dementsprechend zieht sich der Einstieg in die eigentliche Geschichte etwas, was sich in diesem Fall erfrischend unterhaltsam gestaltet. Neben interessanten und teilweise recht schrägen Figuren gibt es natürlich auch einen Fall. Dieser scheint unerwartete Kreise zu ziehen, wobei der übereifrige Journalist Richard "Richie" Diekmann noch ordentlich Öl ins Feuer kippt.

Aber es gibt ja noch jede Menge andere Baustellen, beispielsweise das sich fast zwangsläufig ergebende Kompetenzgerangel der ermittelnden Behörden, eine Esoterikmesse am Ort, Klimaaktivisten am Strand, und nicht zuletzt die massiven Eheprobleme zwischen Oke und seiner Angetrauten Inse.

Die Lage ist also an allen Ecken und Enden ernst. Insgesamt würde das heillose Durcheinander an Personen und Schauplätzen, welches in einem gut abgewogenen Konzentrat angeboten wird, für Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Krimizunft womöglich als Stoff für mehrere Bände locker ausreichen.

Dorfpolizist Oke Oltmanns sieht sich sowohl mit einer ganzen Reihe von sachbezogenen als auch privaten Angelegenheiten konfrontiert, die ihm alles abverlangen. Schluss ist mit der Beschaulichkeit in Hohwacht. Es weht ja ohnehin eine steife Brise an der Küste, in jener Gegend, "wo die weißen Tauben auf einmal Möwen heißen".

Die Spannung reißt jedenfalls nicht ab, und wichtig ist natürlich auch, dass der Schluss garantiert so nicht erwartet wurde. Man lernt eben nie aus. So in etwa wie "Richie", der die mit der Feuerwehr direkt verbundenen Feuermelder in der Redaktion irrtümlich für Attrappen gehalten hat.

"Fischkopp-Vendetta" ist, wie der Name schon sagt, ein Rundum-sorglos-Paket für Cosy-Crime-Freunde, die sich einen quirligen und ebenso lustigen wie spannenden Kriminalroman mit ebensolchen Haupt- und Nebendarstellern wünschen.

 

Thomas Lawall - Juni 2026

 

 

Home News Literatur Gedichte Kunst Philosophie Schräg Musik Film Garten Küche Gästebuch Forum Links Impressum