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Literatur

Fatale Bilanz
Ein Hamburg-Krimi


von Stefanie Ross


352 Seiten
© Sutton Verlag, 2012
99094 Erfurt
www.suttonverlag.de
www.stefanieross.de
ISBN 978-3-95400-030-2



Vergebung ist nicht angesagt. Die Illusion an die Existenz einer ausgleichenden Gerechtigkeit hat er längst aufgegeben. Auge um Auge, Zahn um Zahn ist das Gebot der Stunde, und jetzt würde er die Sache selbst in die Hand nehmen. Die Zeit reicht noch für einen kurzen Moment, den Blick von der Aussichtsplattform im Glockenturm des Michel auf den Hamburger Hafen zu genießen. Das Zerlegen des Scharfschützengewehrs gelingt mit geübtem Griff und schnell ist es im Rucksack verstaut. Die Wendeltreppe, das Kirchenschiff sowie der Vorplatz sind wie ausgestorben, weil der Michel seit zwei Wochen wegen Sanierungsarbeiten nur in den Mittagsstunden für den Touristenstrom geöffnet wird. In aller Ruhe läuft er ohne auffällige Hast zu seinem in der Nähe geparkten Motorrad und verschwindet so unauffällig, wie er gekommen war ...

Mehr oder weniger beiläufig nahmen Kriminalhauptkommissar Matthias Alberts und Sandra Meinke kurz zuvor einen Einsatzbefehl zur Kenntnis, der sie zur "Fischküche" führen sollte. Ein anonymer Tipp besagte, dass dort genau um 19.55 Uhr ein schwarzer Benz auftauchen würde und dann soll es "knallen". Der Kriminalhauptkommissar nimmt die Sache weniger ernst als seine Kollegin. Pünktlich sind sie zur Stelle, ebenso wie der schwarze Mercedes. Der Fahrer parkt in zweiter Reihe vor einem Restaurant, eilt hinein und kommt mit einer Tüte in der Hand wieder zurück. Wieder im Wagen sitzend startet er den Motor, fährt los und in diesem Moment explodiert der linke Außenspiegel!
Das Unheimliche an der Situation ist, dass keinerlei Schussgeräusche zu hören waren. Die Frontscheibe des Mercedes wurde dennoch völlig zerschossen und auch vor dem Polizeiwagen hat der Attentäter keinen Respekt ...

Der Polizeipräsident hat gute Gründe, Sven Klein, Kriminalhauptkommissar im Wirtschaftsdezernat des Landskriminalamtes, mit der Leitung der Ermittlungen zu beauftragen. Kompetenzgerangel gibt es nicht, denn Sven Klein und Matthias Alberts verbindet eine lange Freundschaft. Zu klären ist erst einmal, weshalb die insgesamt dreizehn abgegebenen Schüsse niemanden verletzt haben. Die Präzision im gesamten Ablauf der Aktion verhinderte sogar, dass Unbeteilgte durch umherfliegende Teile getroffen wurden. Was hat ein angekündigter Mordanschlag zu bedeuten, bei dem kein einziger Schuss trifft? Das LKA weiß offenbar mehr, da gewisse Ermittlungen in Verbindung mit jener Bank laufen, bei welcher das vermeintliche Opfer in einer nicht unbedeutenden Funktion beschäftigt ist ...

Spannender kann eine Geschichte nicht anfangen. Der spektakuläre Einstieg ins Geschehen - mitten in Hamburg - verspricht auf der einen Seite recht viel, was auf der anderen Seite im weiteren Verlauf von "Fatale Bilanz" auch eingehalten werden muss. Der bedrohlich wirkende Prolog, der auf Ereignisse blickt, die elf Jahre zurückliegen, gießt zusätzlich Öl ins Feuer, und spätestens wenn sich Mitglieder der US Navy Seals in die Ermittlungen einschalten sowie sich entsprechende Verdachtsmomente in Richtung Al-Qaida ergeben, brennt es an allen Ecken und Enden.

Stefanie Ross gelingt es mühelos, den gleich zu Beginn sehr hoch angelegten Spannungsbogen zu halten. Wer sofort Vollgas gibt, kann nicht in den nächsten Kapiteln auf die Standspur wechseln. Diese Einschätzung belegt sie sprichwörtlich in rasant geschilderten Verfolgungsjagden, wahnwitzigen Fluchtszenarien, spektakulären Observierungen und haarsträubenden Geiselbefreiungen. Zeitweise sieht man sich als Leser unmittelbar in furiose Szenarien amerikanischer Action-Thriller versetzt!

Die Autorin lässt gleich mehrere Hauptpersonen nebeneinander agieren, wodurch die Story zusätzlich an Fahrt gewinnt. Zudem erlaubt sie die unterschiedlichsten privaten Verstrickungen, auch der allzu menschlichen Art, welche die Schilderungen der ansonsten doch recht düsteren Machenschaften nicht unwesentlich auflockern. Das zwischenmenschliche Element steht somit in diametralem Kontrast zu einer wahrhaft "fatalen Bilanz" ...!

Nervenzerfetzendes Krimi-Drama vor beeindruckender Kulisse!

 

Thomas Lawall - Dezember 2012

 

 

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