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Literatur

Falsches Spiel mit Marek Miert

von Manfred Wieninger


128 Seiten
© 2001 by Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
www.rowohlt.de
ISBN 3-499-22893-9



Immer wieder passiert es dem Rezensenten, egal ob es sich um Musik oder Literatur handelt, die Vorgänger genialer Werke vergessen oder schlichtweg übersehen zu haben. So auch im Falle seines uneingeschränkten Lieblingsautors im Genre des gesellschaftskritischen Kriminalromans, Manfred Wieninger.

Der zweite Band ist ihm nun in die Finger geraten, und schon ist sie wieder da, die Faszination und Hochachtung und die unerklärliche Gänsehaut, die ihm bleischwere Metaphorik und bitterböse Ironie einmal mehr bescheren. Es geht ja nicht so sehr um die Fälle selbst, auch wenn jene an Skurrilität kaum zu übertreffen sind und ihresgleichen vergeblich suchen, sondern um die erlesene Auswahl an kauzigen Charakteren.

Da wären beispielsweise jener "Hans im Glück", der den ehemaligen Polizisten Marek Miert engagiert, herauszufinden, wer er ist, oder Helmut Tanzschul, seines Zeichens "Vorsitzender des Landesfischereirats", der wissen möchte, wer für unerlaubte Wasserentnahmen aus dem Harlander Mühlbach verantwortlich ist.

Scheinbar sinnlose Aufgaben für den ohnehin stets auf Sinnsuche befindlichen, chronisch erfolglosen Privatdetektiv, für den ein Leben am Existenzminimum Normalität bedeutet. Nicht einmal eine Krankenversicherung kann er sich leisten. Kleinere Operationen am eigenen Leib müssen deshalb in Heimarbeit, mitunter mit einem Korkenzieher, erledigt werden.

Ein Wieninger wäre kein Wieninger, wenn er nicht eine Vielzahl von Stolpersteinen einbauen würde, die bestsellerverseuchte Gemüter in Panik versetzt und zu negativen Kritiken veranlasst. Wenn der Autor eine Landschaft verunglimpft, gar von einer "Agrarsteppe mit Mais- und Weizenkulturen" die Rede ist oder von "Generationen von Landschaftsmördern", dann geht das ja gerade noch, aber wenn die dunklen Regionen des Nationalsozialismus gestreift werden, wird es für viele unangenehm ungemütlich.

Empfehlenswert ist diese kantige Kriminalliteratur also nur für offene und freie Geister, die sich zudem noch einen Sinn für die schrägen Elemente des Lebens bewahrt haben und an (fast) jeder Ecke ihres Daseins den hauchdünnen doppelten Boden, der über dem bodenlosen Nichts gespannt ist, erkennen und trotz allem ihren Weg, wenn auch in Schlangenlinien und über zahlreiche Hindernisse, mit einem Grinsen im Gesicht und einem Tränchen im Auge fortsetzen.

Marek Miert ist und bleibt der einsame Wolf unter den zahllosen Kollegen, er, der einen "Renoir nicht von einem Renault" unterscheiden kann, der Dummheit zu den Menschenrechten zählt, und der sein Gehirn im Dienst nur selten benötigt. Nur wenn, dann richtig, und vermeintlich komplizierte Fälle werden dann in Zeitungsarchiven und auf Friedhöfen gelöst ...

Die durchaus unübliche Buchbesprechung eines unüblichen Buches findet nun bereits ein unübliches Ende. Da alle nachfolgenden Bände längst besprochen sind, freut sich der Rezensent nun auf den, ebenfalls in einem Antiquariat gebraucht erworbenen, ersten Teil ("Der dreizehnte Mann") der Reihe. Sammlerstücke sind das ja sowieso alle.

 

Thomas Lawall - Februar 2020

 

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