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Literatur

Es gibt ein Sterben nach dem Tod
Eine Karma-Krimödie


von Tatjana Kruse


240 Seiten
© 2022 HAYMONkrimi Innsbruck-Wien
www.haymonverlag.at
ISBN 978-3-7099-8172-6



Also gut, schräger Titel, noch schrägerer Untertitel sowie Name der Erfinderin sagen eigentlich alles. Fazit: Pflichtlektüre für alle, die während der Lektüre konventioneller Kriminalliteraturmassenware mehr und mehr der Wunsch nach ewigem Schlaf überfällt. OK, das war's. Tschüss.

Halt,  eins noch vielleicht. Wenn es so etwas wie einen Oscar für originelle, ach Quatsch, abgefahrene Ideen geben würde, hätte ihn zweifelsohne Tatjana Kruse verdient. Zu allem Überfluss hat dieses Buch selbstverständlich noch weitaus mehr zu bieten als nur jene Idee. Kluge Köpfe zermartern sich seit Äonen die grauen Zellen, was nach dem leidigen Verschwinden des aktiven Seins wohl geschehen mag. Die "Königin der Krimödie" hat Antworten und verbindet diese, zum besseren Verständnis sowie zur allgemeinen Belustigung, mit einer handfesten Geschichte. Eine gute Portion Philosophie, gleichermaßen für Anfänger und Fortgeschrittene, also!

Weniger überraschend ist dann, dass es sich um einen hinterhältigen Mord handelt. Ja genau, denn das ist selbst in einer "Krimödie" nicht anders. Wenn das Mordopfer jedoch hernach "aufwacht" und sich erst einmal keineswegs bewusst ist, umgebracht worden zu sein, schon! Diese völlig neue Perspektive dürfte alle bisher gewohnten auf den Kopf stellen.

Hauptdarstellerin Bernhardine "Börnie" Hess befindet sich also in einer Art Zwischenwelt zwischen Sterben und jener weißen Tunnelöffnung, die schnurstracks in die Ewigkeit führt. Angeblich. Dahin will die ehemalige Marketingexpertin bei "Schön Cosmetics" zunächst aber auf gar keinen Fall, denn vorab gibt es einiges zu klären, beispielsweise, wer erstens ein Interesse an ihrem Tod und zweitens die Tat ausgeführt hat.

Diese Täter/innensuche unter völlig anderen Vorzeichen verspricht selbstverständlich eine ganze Menge ungewöhnlicher Komplikationen, eine Art "jenseitige" Situationskomik. Auch auf diesem, noch recht unerforschten Gebiet, kann die Autorin ganz offensichtlich sämtliche Register ziehen und läuft einmal mehr zur Bestform auf!

Das kann im wahrsten Sinne des Wortes brutal lustig sein, aber nicht ohne ein gerüttelt Maß Ambivalenz. Schon seltsam, wenn frau nicht nur herausbekommt, was ihr Verlobter so hinter ihrem Rücken mit einer Kollegin treibt, sondern auch, dank Körperlosigkeit, dabei zusehen kann ...

Um was es sonst noch so geht? Na ja, beispielsweise um Börnies "Karma-Bilanz", weitere Morde oder "Dönerfrühlingsrollen". (Fazit s. o.) Mehr wird aber nicht verraten, gell? Obwohl - einer geht noch. Mein Lieblingssatz: "Es regnete Porsche-Fragmente."

 

Thomas Lawall - September 2022

 

 

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