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Literatur

Endstation Donau
Ein Wien-Krimi


von Edith Kneifl


264 Seiten
© 2014 Haymon Verlag,
Innsbruck-Wien
www.haymonverlag.at
ISBN 978-3-7099-7157-4



Katharina Kafka hat die Nase voll von Mord und Totschlag. Das nutzt ihr leider wenig, denn ihr Onkel Sandor, der jüngste Bruder ihrer ermordeten Mutter, hat andere Pläne mit ihr. Katharina bemerkte dies zunächst nicht und zeigt sich wenig begeistert, denn im Prinzip wurden sie und Orlando ohne ihr Wissen als Privatdetektive engagiert.

Zunächst fragte er sie, ob sie nicht Lust hätte, sich auf eine mehrwöchige Kreuzfahrt zu begeben. Selbstverständlich mit ihrem "kleinen, tapferen Freund". Die studierte Historikerin witterte umgehend einen Haken an der Sache, ohne zu ahnen, dass es sich um mindestens zwei handelte. Ihrem Onkel ist nicht entgangen, dass sie sich den Großteil ihres Lebensunterhaltes als Barkeeperin verdient, was nun ernsthafte Folgen haben sollte.

Onkel Sandor, ein begnadeter Geiger, ist auf der MS Kaiserin Sisi als Alleinunterhalter engagiert. Er verdiente sich eine ordentliche Provision, als er nach einem Motorschaden des Schiffes, nach dem die Hälfte der Mannschaft ausgeflogen wurde, einen raschen Ersatz für die Bar vermittelte: Katharina und Orlando.

Die fünf Wochen auf dem Schiff würden sich finanziell derart lohnen, dass sie den Vorschlag ihres Onkels ohne zu zögern annahm. Orlando war zunächst gar nicht begeistert, sie zu begleiten, doch der Transvestit mit dem Sisi-Tick vergaß seine sofort einsetzenden Untergangsphantasien und einen schrecklichen Tod durch Ertrinken sofort, als er den Namen des Schiffes erfuhr.

Doch nun wird Katharina mit dem zweiten Haken an der Sache bekannt gemacht. Onkel Sandor ist davon überzeugt, dass es auf dem Schiff nicht mit rechten Dingen zugeht. Immer wieder verschwinden meist weibliche Besatzungsmitglieder und inzwischen wähnt er sich selbst in Gefahr. Wer und warum ein Problem mit ihm hat, weiß er jedoch nicht.

Davon, dass Katharina und Orlando ihm helfen können, ist er allerdings überzeugt. Und schon haben die beiden einen neuen Fall, denn irgendetwas scheint auf dem Schiff tatsächlich nicht zu stimmen. Katharina kann bereits ein Lied davon singen, denn wie sollte sich die Beobachtung am Bullauge ihrer Kabine erklären? Die Leiche eines Mannes, der ihr zudem noch bekannt vorkam, wurde vorbeigetrieben ...

Im vierten Band der Reihe mit Katharina Kafka und ihrem Freund Orlando, ihrem insgesamt 20. Kriminalroman, erliegt Edith Kneifl nicht der Versuchung, ihren Erfolg auf dem literarischen Fließband des Mainstreams verwässern zu wollen. Statt dem ebenso beliebten wie routinierten Wiederkäuen bekannter Motive, erfindet sie ihre (Grund-)Ideen immer wieder neu und entwickelt ein ebensolches Szenario.

Zwar ist der Schauplatz dieses Mal nur 100 Meter lang, doch die Autorin erweitert die Begrenztheit jenes Kreuzfahrtschiffes durch eine Fahrt zum schwarzen Meer und zurück und gibt damit ihrem Kriminalroman eine zunächst gar nicht erwartete Tiefe. Zudem bereichert sie die Geschichte mit, teils weniger angenehmen, geschichtlichen Fakten aus den angrenzenden Ländern oder begeistert mit einer ausführlichen Schilderung der landschaftlichen Besonderheiten des Donaudeltas - einem der Höhepunkte des Romans.

In einer zweiten Erzählebene schildert sie abwechselnd die Geschichte zweier Kleinkrimineller. Marko und Toni, mit jeweils nicht unproblematischen Persönlichkeitsstrukturen ausgestattet, versuchen einen Aufstieg in der Oberliga der dunklen Seite der Macht. Beide Erzählstränge ergänzen sich und nähern sich immer mehr an, und es gibt noch einen dritten ...

Die uneingeschränkten Hauptfiguren sind und bleiben aber die unerschrockene Romni Katharina Kafka und ihr Freund, der Transvestit Orlando. Sein Sisi-Tick ist ungebrochen und wenn ihm Edith Kneifl das "Beuteschema" korrigiert oder ihm einen rosa Badeanzug verpasst, bleibt kein Auge mehr trocken (was leider viel zu selten vorkommt). Im Gegenzug lässt sie Katharinas Laune oft in den Keller sinken und sich wie die falsche Frau im falschen Film fühlen.

Doch zum Glück ergänzen sich die beiden grundverschiedenen Charaktere, trotz einiger massiver Meinungsverschiedenheiten, auf vielfältige Weise und lassen sie dadurch die aussichtslosesten Situationen meistern. Meisterlich unterhalten fühlen sich auch Leserinnen und Leser, und wer am Ende einen furiosen Showdown erwartet, liegt richtig.

 

Thomas Lawall - Januar 2015

 

 

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