Literatur

Eifel für Fortgeschrittene
Die Wahrheit über Deutschlands wilden Westen

von Angelika Koch


222 Seiten
© 2020 - Gmeiner-Verlag GmbH
1. Auflage 2026
www.gmeiner.studio
ISBN 978-3-7801-1033-6



Man gewöhnt sich daran, mit einer Buchkritik nicht immer Applaus zu ernten, weshalb der Rezensent auch gerne zugibt, die Region der Eifel, gelinde gesagt, sträflich vernachlässigt zu haben. Klar, der in Mainz Geborene erinnert sich an die kurzen Wachphasen im Heimatkundeunterricht, als es um Vulkane ging, schlief dann aber gleich wieder ein, da diese ja leider allesamt längst erloschen sind. Langweilig also...

So und ähnlich entstehen diese Bilder, die manchmal nur schwer zu korrigieren sind. Aber dafür gibt es ja Bücher, die mit gewissen Vorbehalten aufräumen und einmal kräftig durchwischen, um verstaubte Vorstellungen durch neue Bilder zu ersetzen. Einst ein "Ort der Scham für Eingeborene" ist die Eifel heute alles andere als "out".

Und schon gar nicht so, wie es der römische Reiseschriftsteller Tacitus dereinst behauptete, indem er die Bewohner zwischen dem heutigen Köln und Trier als "kleinwüchsiges, hinterlistiges Bergvolk" bezeichnete.

Mit derlei heiteren Episoden reichert Angelika Koch ihre Liebeserklärung an die Region allenthalben an, und spart auch mit eigenen humorvollen Querverweisen nicht. Herrlich beispielsweise die Passage, welche sich ausführlichst mit dem ganztägigen Glockengeläut an einem ziemlich katholischen Feiertag beschäftigt.

Auch das äußere Erscheinungsbild des Buches sei einmal angesprochen, denn es erinnert sofort an die legendäre Reihe jener kultigen Gartenkrimis des Gmeiner Verlags, die nicht wenige schmerzlich vermissen. In Verbindung mit dem windschiefen Fachwerk des Titelbildes, wird wohl auch diese Ausgabe alsbald den Status eines Sammlerstückes erreichen.

Angelika Koch verliert sich nicht in einer simplen Aufzählung von abzuhakenden Sehenswürdigkeiten. "Eifel für Fortgeschrittene" ist vielmehr eine Rundreise mit dem Schwerpunkt auf der Vorstellung von Menschen aus der Region und dem, was sie tun.

Eine wahre Wundertüte tut sich hier auf, wenn sie, ausgehend von einem (erd-)geschichtlichen Überblick, ihren Fokus auf eine ganze Vielzahl unterschiedlichster Zeitgenossinnen und Zeitgenossen legt, die ihrer Region Farbe und Leben geben. Und dies nicht nur in Kriminalromanen...

... die natürlich auch eine gewisse Rolle spielen. Die Autorin erinnert in diesem Zusammenhang an die "Criminale" 1999, wo sich 200 gut gelaunte Krimiautorinnen und -autoren trafen, um sich selbst und das Genre standesgemäß zu feiern. Als kleinen Bonus bietet Angelika Koch, daselbst Krimiautorin, einen ebenso makabren wie handfesten Kurzkrimi!

Weiter berichtet sie ebenso pointiert wie informativ von den "Tücken des Topfkuchens", einer ganz besonderen Künstlerkolonie, einem kuriosen Bergrennen, einem überschaubaren Metal-Festival und von den besonderen Bedürfnissen des Mittelspechtes.

Ökolandbau spielt ebenso eine Rolle, wie "die boomende Branche der Autowerkstätten und Abschleppdienste rund um den Ring", der schräge Brauch einer sog. "Junggesellensodalität", die Vorstellung des kleinsten Museums der Welt oder die Erwähnung einiger in der Eifel beheimateter Weltmarken.

Und das alles auf einem Territorium, welches dereinst einem "Südseeatoll" ähnelte und vor mehreren 100 Millionen Jahren gut und gerne ohne Menschen auskam. Vor einem derartigen geschichtlichen Hintergrund kann eine Landschaft eigentlich nicht langweilig sein...

Die in der Eifel lebende Autorin sprengt den Rahmen klassischer Reiseführer sehr nachhaltig und gestaltet ihr "journalistisches Lesebuch" präzise, sehr persönlich und verrät so nebenbei den einen oder anderen Geheimtipp. Land und Leute bringt sie somit auf unterhaltsamer Weise potentiellen Besuchern nahe, und dürfte selbst für jene, die glauben, schon alles gesehen zu haben, einige handfeste Überraschungen bereithalten.

 

Thomas Lawall - Februar 2026

 

 

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