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Literatur

Die Schwarze Witwe von Wien


von Monika Buttler


252 Seiten
© 2018 Gmeiner-Verlag GmbH
www.gmeiner-verlag.de
ISBN 978-3-8392-2303-1



"Personen und Handlung" sind frei erfunden. Dieser Hinweis ist dann schon geeignet, etwas Verwirrung zu stiften. Das Verzeichnis der realen Figuren am Ende des Buches füllt eine komplette Seite. Lediglich vier Personen sind fiktiv. Die Taten Elfriede Blauensteiners sind ebenfalls keine Erfindung. Unvorbereitete Leserinnen und Leser müssen sich zu recht fragen: Ja wie denn nun?

Wie auch immer - der Journalist Felix Moser ist eine fiktive Figur, wird aber gebraucht, um die "True-Crime"-Story zu tragen. Monika Buttler erzählt die Geschichte der 1931 in Wien geborenen Mörderin nach deren Memoiren sowie zahlreichen Presse- und Buchpublikationen.

Hierbei versucht sie, Ursprung und Auslöser in Kindheit und Jugend der Serienmörderin aufzuspüren, die vielleicht als auslösende Momente für die  Umsetzung ihrer späteren Phantasien herangezogen werden könnten. Und tatsächlich gibt es diese in erschreckender Anzahl, angefangen bei einer scheinbar herz- und seelenfreien, völlig untauglichen Mutterfigur. Der Alltag aus "Gewalt, Krankheiten und Hunger" wurde komplettiert durch den Tod des Vaters 1933. Die 37jährige Mutter fand in einem elf Jahre jüngeren Nachbarn alsbald Ersatz. Die Kinder waren von nun an sich selbst überlassen ...

Auch Elfriedes Privatleben, nach der mühsamen Loslösung von der Mutter, verlief unter keinem guten Stern. Die Verletzungen und Demütigungen der Kindheit setzten sich unter anderen Vorzeichen fort. "Fredi", ihr Lebensgefährte und späterer Ehemann, sollte "zur Katastrophe ihres Lebens werden". Wieder wurde sie in eine "Opferrolle" gedrängt.

Wahrscheinlich ist es müßig darüber nachzudenken, inwieweit jene traumatischen Erlebnisse und Erfahrungen tatsächlich als auslösende Elemente für Serienmorde herangezogen werden können. Schließlich ist die Anzahl der Menschen, die ebensolche oder gar noch viel schlimmere Erfahrungen sammeln mussten, unüberschaubar. Im Falle der Elfriede Blauensteiner scheinen die Vorzeichen jedenfalls eine diabolische Logik entwickelt zu haben. Einst selbst Opfer, drehte sie den Spieß einfach um.

Die allgemeinen Fakten sind bekannt und nachzulesen. Monika Buttler hat sie gesammelt und sozusagen in eine logische Reihenfolge gebracht. Ohne Ecken und Kanten, ohne Ausschmückungen, Beschönigungen oder Wertungen. Was bleibt, ist eine gewisse Ratlosigkeit und Ernüchterung, selbst wenn man längst weiß, zu was Menschen in der Lage sein können.

Einerseits werden viele Fragen beantwortet, einige jedoch nicht, was auch gar nicht die Aufgabe dieses Buches ist. Dennoch drängen sie sich geradezu auf. Was wohl aus Elfriede geworden wäre, wenn sie andere Eltern gehabt, an einem anderen Ort in einer anderen Zeit gelebt und einen anderen Mann kennengelernt hätte? Und wie hoch wohl die Dunkelziffer in Sachen "Pflegemorde" sein mag?

 

Thomas Lawall - Juli 2019

 

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