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Literatur

Die Reisen des Kapitän Dun Karm
Durch den Spiegel nach Tamarhokh


von Astrid Lang


E-Book
116 Seiten
Copyright © 2015 Astrid Lang
www.astrid-lang.de
www.shockwaveriders-design.de
ISBN 9783739326726



Der Kapitän und der Fischer sind wieder auf großer Fahrt. Zum Glück haben sie genug Proviant dabei, denn es liegt eine große Strecke vor ihnen. Die beiden vor dem Antritt der Reise noch abgeernteten Schweinerippchen- und Apfelkuchenbäume werden schon dafür sorgen, dass die beiden nicht verhungern.

Kapitän Dun Karm und der junge Fischer Zoldek Parkona hielten es auf der "Insel der Behäbigkeit" nicht mehr aus. Der maltesische Kapitän war nach einem Sturz von Bord eines Schiffes und nach der darauf folgenden heftigen Begegnung mit einem Seeungeheuer, "aus dem Nichts" fallend, auf der Insel gelandet. Der Fischer erlitt Schiffbruch. Die näheren Umstände erfährt der Leser nicht.

Auf der Insel ist leider nicht sehr viel geboten. Seine Bewohner üben sich im Nichtstun. Lediglich ein zu jenen Gewohnheiten passendes Gesellschaftsspiel lockert die allgemeine Langeweile etwas auf. Man versammelt sich und einer ruft "Steinbold". Alsdann muss jeder seine Bewegungen einfrieren und wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Auf die Dauer gestaltet sich das Zusammenleben für beide Seiten schwierig. Der ständige Bewegungsdrang der Gestrandeten ist den Inselbewohnern fremd. Dun Karm und Zoldek Parkona haben ihrerseits die Nase voll von dieser "Insel voller verfressener Faulenzer". Der Plan, ein Schiff zu bauen, scheitert zunächst an der Problematik, eine Entscheidung über das Fällen eines Baumes bei den Verantwortlichen herbeizuführen. Erstens ist Entscheidungsstärke ebenfalls nicht sehr gefragt auf der Insel und zweitens fällt man nicht einfach einen Baum, an welchem "gebratene Hammelkeulen und überbackene Makkaroniaufläufe" wachsen ...

Schließlich ist man wieder unterwegs und nun fängt das Abenteuer erst richtig an - fast jedenfalls, denn bevor das eigentliche beginnt, sind noch weitere zu bestehen. Fast nebenbei erlebt man die Begegnung mit einem Mammutwal, groß wie eine Stadt, auf welchem zahlreiche Tiere leben und auf dem es eine Vegetation gibt, und welcher "einen Tag und die halbe Nacht" braucht, um an ihnen vorbeizuziehen.

Auch hier ist das Wunder wieder viel zu schnell vorbei. Man erfährt lediglich, dass Kapitän Dun Karm von einem Ausflug auf dem Wal das sprechende Schnurbeltier Schalms Balticus mitbringt, welches fortan mit ihm und dem Fischer unterwegs ist. Und schon beginnt das nächste Abenteuer. Eine Begegnung mit den fürchterlichen Gargolonten. Prompt hat man jetzt plötzlich eine Prüfung zu bestehen. Es geht natürlich um Leben und Tod, doch als Belohnung winkt ein magischer Gegenstand.

Selbstverständlich werden die Prüfungen bestanden und der magische Gegenstand gehört dem glücklichen Trio. Ein ziemlich großer Gegenstand sogar. Damit kann jetzt das ganz große Abenteuer losgehen und der Rezensent sagt dazu jetzt gar nichts mehr. Ausser, dass ihm das alles viel zu schnell geht. "Die Reisen des Kapitän Dun Karm" ist ein Fantasy-Roman, durchsetzt mit fantastischen Ideen, die allesamt eine ausführlichere Betrachtung verdient hätten.

Neben den bereits erwähnten Phantasmen seien hier beispielsweise noch kurz Dinge wie der begehbare Spiegel, die kilometerlangen Bücherregale und ein Instrument, das man mit Gedanken spielt, erwähnt. Auch der grandiose Showdown kommt mir dann zu unmittelbar, wobei ich nicht weiß, ob dieses Buch vielleicht als Kinder- oder Jugendroman gedacht ist. Dann ginge das voll in Ordnung.

Der Sinn des Buches sowieso. So könnte man "Die Reisen des Kapitän Dun Karm" durchaus als Allegorie oder Parabel verstehen. Die symbolische Bedeutung der Geschehnisse wird durch Musik definiert. "Das Gewebe der Welt" wurde zerstört, doch wenn die Lieder wieder ihrer ursprünglichen Bedeutung zugeführt werden, "Lieder über das was ist, nicht Lieder über den rosaroten, faden Traum", dann ist Rettung möglich.

So gesehen ist das Buch die logische Fortsetzung oder Erweiterung des musikalischen Schaffens der Autorin, Sängerin, Komponistin, Songtexterin und Indie-Label-Gründerin. Gemeinsam mit ihrer Schwester sind sie die "Shockwave Riders", und wer sie einmal gesehen oder gehört hat, weiß, wovon ich rede. Doch erst jetzt verstehe ich, dass sie wohl musizieren, wie es einst die Ongoren in Tamarhokh taten, jener Stadt, dessen Herz "nur den Künsten" schlug.

 

Thomas Lawall - Februar 2016

 

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