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Literatur

Der Heckenphilosoph

von Michael D. Wolf


144 Seiten
© Verlag Monika Fuchs, Hildesheim
www.verlag-monikafuchs.de
www.heckenphilosoph.de
ISBN 978-3-940078-06-3



Wenn man Besuch von einer schwarzen Fee bekommt, kann das schon ganz schön unheimlich werden. Vor allem, wenn man sich plötzlich, nur mit einem Büßerhemd bekleidet, in einem großen Saal vor zwei großen Türen befindet, die mit den Worten "Himmel" sowie "Hölle" beschriftet sind! Auf einer dritten, etwas kleineren Tür steht "Pipibox", weshalb man diese wohl vernachlässigen kann (wenn kein dringendes Bedürfnis vorliegt). Es stellt sich vielmehr die Frage, wie wird es weitergehen und welche der beiden Türen nun für einen selbst vorgesehen ist ...!

Schon dieser kleine Aufenthalt im "Vorhof zur Ewigkeit" zeigt, dass wir es hier nicht mit "normalen" Kurzgeschichten zu tun haben. Aber was ist schon normal? Das "Labyrinth des Lebens" bestimmt nicht ...

Doch erst einmal muss man die große Bühne betreten. Wie war das eigentlich davor? Wir haben die Erinnerung daran verloren. War da nicht diese kleine Öffnung da vorne? Wer es vergessen hat, kann sich in "Neugier, dein Name ist Weib" die Erinnerung an diese aufregende Reise etwas auffrischen und zurückholen.

Die Themen in diesem Buch sind vielfältig wie das Leben selbst. Der Autor lässt seinen Blick spazieren gehen und nimmt jeden, der es will, mit auf seine Reise. Natürlich erfahren wir etwas über Frauen -die "häusliche Regierung-, über das "Frauengewolle", das Wollen generell und ... ach ja, wieviel Mann frau wirklich braucht.

Spannend sind Läden, in denen es Unmengen an Papier zu kaufen gibt und wie man es schafft, mit "klassifiziertem Dreck" reich zu werden. Nicht uninteressant ist auch, was Gott mit seinem Sohn zu besprechen hat; theoretische Erwägungen, eine "Stummgeschichte" betreffend, oder beschädigte Schuhe, die ein Krisenmanagement erfordern!

Und wer sich verlaufen hat, schaut einfach im Inhaltsverzeichnis nach. Schnell findet man sich dann wieder zwischen "Fingerkuppen", "Krieg der Sterne", "Sex aus dem Karton" oder einer Weihnachtsgeschichte wieder mühelos zurecht ...

Mit viel Ironie und Wortwitz nimmt Michael Wolf sich selbst und seine Geschichten ordentlich auf die Schippe. Nicht selten kann der vermeintlich fehlende Ernst in der Sache verschlossen gehaltene Türen öffnen und bisher unbekannte Betrachtungswinkel freigeben. Die pointierten Lebensbilder erlauben einen Blick über die "Hecke" des Nachbarn und weit darüber hinaus. Der Alltag glänzt plötzlich in anderen Farben und von dieser Seite aus hat man die Dinge womöglich noch gar nicht betrachtet. Selbstverständliches wird wieder neu und anders.

Alles andere als gewöhnlich ist auch die Aufmachung des Buches. Dem erstaunten Leser wird ein selbstgebasteltes Lesezeichen spendiert. Daran hängt sogar noch etwas: Eine Gebrauchsanweisung und ein Herz aus (biologisch abbaubarem) Kunststoff, mit Blumensamen gefüllt! Na sowas. Die "Gedanken-Samen" habe ich sofort in eine Schale ausgesät. Ein interaktives Buch, wie schön. Noch schöner ist, dass heute noch jemand die Zeit für die Einrichtung einer so netten Zugabe findet!

Es gibt in diesem herrlichen Büchlein eine Stelle, die sich ganz hervorragend für ein Fazit eignet. Es geht um einen "beschissenen Sonntag" und einen Mann, der irgendwie unzufrieden ist und zu viel nachdenkt. Seine große Liebe gilt Büchern, die er niemals verleihen würde. Es könnte ja alles "herausgelesen" sein und somit hätte er selbst nichts mehr zu lesen! Bücher sind für ihn ein Schatz zwischen zwei Deckeln!

Stimmt. Dies gilt auch und besonders für dieses Buch hier!

 

Thomas Lawall - September 2011

 

 

 

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