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Literatur

Der Bozen-Krimi - Der Pate

von Corrado Falcone


318 Seiten
© 2018 Gmeiner Verlag GmbH
www.gmeiner-verlag.de
ISBN 978-3-8392-2361-1



Francesca, ihr Freund Stefan und ihr Onkel Daniele sind auf der Flucht. Eigentlich sind es ja Kleinkriminelle, aber seit dem letzten Banküberfall beginnen sie, sich allmählich zu steigern. Mit der Beute sind sie nicht sonderlich zufrieden. "Nur" zehn Millionen Euro. "Ist doch ein guter Anfang" meinen sie jedoch. Und immerhin war der Bruch einfach. Zu einfach ...

... denn spätestens hier wird der Roman unglaubwürdig. Man schummelt sich an den Sicherheitseinrichtungen wie im Schlaf vorbei und nimmt mal eben das Geld mit. Dann dauert es nicht lange, bis ein Mafiosi erscheint und die Hälfte der Beute verlangt. Prompt eskaliert die Situation, welche eine sofortige Flucht des Trios begründet. Doch statt sich ruhig zu verhalten, bis Gras über die Sache gewachsen ist, planen sie weitere Überfälle.

Dann ergeben sich noch beziehungstechnische Probleme und eine Ex braucht schlappe 4 Millionen für eine Hotelrestauration. Zufällig arbeitet deren Freund dann noch in einer Sicherheitsfirma. Entsprechende Codes, eine Art Lottogewinn für das Trio, sind ihr natürlich zufällig bekannt. Verzeihung, selten so einen Unsinn gelesen. Wenigstens ist es ab und zu witzig. In den Bergen zum Beispiel: "Erst fährst du hoch, dann wieder runter, verbrauchst vier Stunden und bist Luftlinie keine zehn Kilometer vorangekommen."

Hauptfiguren sind aber andere: Die Kommissare Sonja Schwarz und Matteo Zanchetti. Letzterer hat viel Mist gebaut und so wie es aussieht, wird er es in Zukunft auch tun. Zuerst aber muss er wieder verdeckt in der Mafia ermitteln. Man fragt sich, wie das gehen soll, denn wer einmal aufgeflogen ist, kann nicht noch einmal auftreten. In Kreisen, die mit allen Wassern gewaschen sind, schon gar nicht.

Man könnte aber eine Strategie entwickeln, die wie ein Seitenwechsel aussieht ... und hier wird es wiederum fast ärgerlich unglaubwürdig. Aber wie das mit vielen anderen Kriminalromanen nun einmal so ist, möchte man dann doch gerne erfahren, wie sich das Ganze weiterentwickelt. Und dies trotz der verschachtelten Struktur des Romans, den man übrigens keinesfalls mit Mario Puzos "Der Pate" verwechseln sollte.

Schade, dass die Geschichte zu allem Überfluss mitunter den Charakter einer Seifenoper streift. Formulierungen wie "Er trank sich satt an ihrer Schönheit", "Augen voller Sehnsucht, voller Einsamkeit" oder Gefühle, die in "einen Zustand von Schockgefrierung" versetzt werden, könnten auch in einen Groschenroman passen.

Die weiteren Ermittlungen sowie die vorhersehbare Auflösung können ebenfalls in keinem Fall überzeugen. Das ist kein Mafia-Thriller, wie der Titel fälschlicherweise vermuten lässt, sondern geht allenfalls als seichter Jugendkrimi durch. Selbstverständlich fehlt auch eine ebenso heftige wie unerträgliche Portion Eifersucht nicht. Sämtliche Schubladen um "Drogen, Mord und Mafia" werden bedient.

Aber selbst die doppelte Schlusspointe rettet das Buch nicht, und Lust auf den "erfolgreichen Fernsehkrimi" kommt gar nicht erst auf.

 

Thomas Lawall - Dezember 2018

 

 

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