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Der Anfang von Raum und Zeit Wie alles aus dem Nichts entstehen konnte
von Jean-Luc Lehners
234 Seiten © 2026 Droemer Verlag www.droemer-knaur.de ISBN 978-3-426-56954-2
Die Erkenntnis eines sich entwickelnden Universums war zu Beginn des 20. Jahrhunderts neu. Neben unserer Milchstraße existieren unzählige weitere Galaxien, die etwas gemeinsam haben: Sie entfernen sich alle voneinander. Der Begriff "Raum" hatte fortan eine ganz andere Bedeutung.
Diese Erkenntnis vereinfachen existenzielle Fragen keineswegs, denn das diametrale Gegenteil ist der Fall. Wenn sich etwas ausdehnt, dann war es folglich irgendwann einmal näher zusammen. Vielleicht sogar nur in einem "Punkt". Die Urknalltheorie scheint deswegen mehr als logisch zu sein.
Der menschliche Geist gibt sich damit aber nicht zufrieden. Machen zwangsläufig sich ergebende Fragen wie "Was war vor dem Urknall?" oder "Was kommt hinter dem (sich ständig ausdehnenden) Raum?" Sinn?
Es ist und es bleibt so, dass jene und damit in Zusammenhang stehenden Fragen vielleicht nicht die wichtigsten, aber zumindest die interessantesten überhaupt sind. Und wer sich mit den etwas preiswerten Antworten, die uns verschiedene Religionen geben wollen, nicht zufrieden geben möchte, ist mit der Lektüre dieses Buches bestens bedient.
Komplizierte wissenschaftlich fundierte Aussagen vermag der Astrophysiker Jean-Luc Lehners in relativ einfache Sprache allgemeinverständlich zu übersetzen. Interessierte Laien müssen sich also nicht durch Berge von wissenschaftlichen Abhandlungen kämpfen.
Dennoch gibt es ein gigantisches "Aber", denn wenn etwas leicht zu lesen ist, bedeutet das keineswegs, dass es auch leicht zu verstehen ist. Das wird spätestens bei den Ausführungen zur "Speziellen Relativitätstheorie" klar, wobei die "Allgemeine Relativitätstheorie" noch einen draufsetzt.
Damit aber nicht genug, denn der Übergang in die Quantenmechanik dürfte die Auffassungsgabe vieler Leserinnen und Leser vor übergroße Herausforderungen stellen. Die Idee, einen Satz, wenn man ihn nicht versteht, mehrmals zu lesen, leistet nicht unbedingt Soforthilfe, was sich auch und besonders auf das auch nicht im Entferntesten zu verstehende Gebiet der Stringtheorie bezieht.
Seriöse Wissenschaft verlangt Beweise, weshalb Jean-Luc Lehners auch seine eigene Seriösität beweist, indem er lediglich seine Ausführungen zur Beschreibung des Universums im ersten Kapitel als "gesichertes Wissen" deklariert. Spätestens mit seinen Ausführungen zur Stringtheorie würde er den spekulativen Bereich betreten.
Wie dem auch sei, bietet dieses Werk einen umfassenden Einblick in den momentanen Stand der Wissenschaft und erlaubt immerhin einen erweiterten Blick über den Tellerrand bisheriger sowie althergebrachter Einsichten und Vereinfachungen.
Was also tun, wenn mehr oder weniger große Teile des Buches von interessierten Laien nicht verstanden werden können? Die Lösung ist vielleicht ganz einfach:
Weglegen, darüber nachdenken und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen. Dieser Vorgang kann beliebig oft wiederholt werden. Bis dahin gilt, jedenfalls für den Rezensenten, dass es sich bei "Der Anfang von Raum und Zeit" um das faszinierendste Buch handelt, das er jemals nicht verstanden hat.
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