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Literatur

Das ferne Licht der Sterne

von Laura Lam


380 Seiten
© 2020 by Laura Lam
© 2021 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
www.knaur.de
ISBN 978-3-426-52700-9



Es ist bei weitem kein "gewöhnlicher Start". Keine Zuschauer, kein Presserummel und von jedem medialen Interesse befreit. Ein gut gehütetes Geheimnis scheint zu gelingen. Die jahrelange Vorbereitungszeit scheint sich gelohnt zu haben. Fünf Frauen, die maßgeblich am Bau des interstellaren Raumschiffes "Atalanta" beteiligt waren, kapern selbiges, um die Besiedelung eines Planeten namens "Cavendish" selbst zu übernehmen.

Eine politische Intrige diktiert Dr. Valerie Black den Ausschluss von dem Projekt, die Besiedelung des Exoplaneten mit einzuleiten. Während die Zeit drängt, da sich der Zustand der Erde von Tag zu Tag verschlimmert, wobei die dramatisch zunehmende Erwärmung bei Weitem nicht das einzige Problem ist, werden Frauen rigoros von führenden Positionen, sowie von einer Berufstätigkeit überhaupt, wieder zurückgedrängt.

Als Geschäftsführerin der Firma Hawthorne denkt Valerie nicht im geringsten daran, sich Untätigkeit diktieren zu lassen und plant von langer Hand massiven Widerstand. Mit Dr. Naomi Lovelace, ihrer Stieftochter, und drei weiteren hochrangigen Wissenschaftlerinnen, gelingt es ihr mit Hilfe von Robotern eine Rakete auf der Keweenaw-Halbinsel zu bauen und erfolgreich zu starten, um mit ihrer erlesenen Crew in einem Shuttle die im Erdorbit kreisende Atlanta zu erreichen ...

Allein wie es zu realisieren wäre, "heimlich" eine Rakete zu bauen, wirkt nicht nur ungewöhnlich bizarr, sondern beinahe schon lächerlich. Derlei Fragen nach genaueren Umständen, welche in diesem Buch nicht nur einmal vorkommen, würden den Rahmen der Geschichte allerdings sprengen, weshalb sie, wie in den meisten SF-Romanen, schlicht vorausgesetzt werden. Im Zweifelsfalle haben dies und jenes eben Roboter ermöglicht.

Die Erde ist also mal wieder in Gefahr. Diesmal jedoch nicht, weil furchtbare Aliens Chaos und Zerstörung bringen, sondern weil Umweltkatastrophen, Überbevölkerung und die katastrophalen Folgen nicht mehr lange zu kontrollieren sind. Das soll nun abgewendet werden, indem man die Menschheit einfach umsiedelt...

... was natürlich ein noch größerer Unsinn ist. Das denken sich auch die fünf Frauen, weshalb sie die gleichen Fehler, die auf der Erde seit vielen tausend Jahren, meist vom starken Geschlecht verursacht, auf Cavendish verhindern wollen. Leider kann man allein am Umfang des Buches erkennen, dass der Inhalt dieser hochkomplexen Thematik in keinster Weise gerecht werden kann, erkennbar auch bei genauer Beobachtung der Kapitelüberschriften. Das, was hier angekündigt wird, kann sich unmöglich mit der ständig abnehmenden Anzahl der Seiten in Einklang bringen lassen.

Aber es ist eben nun mal ein SF-Roman und hier ist, zumindest wenn es sich um einen solchen handelt, der einfach nur gut unterhalten möchte, alles erlaubt. In "Das ferne Licht der Sterne" bleiben viele Fragen und Wünsche offen, denn die Geschichte nutzt ein gewaltiges Potential nicht aus. Allein die Art der Reise und vor allem die dazu notwendige Technik, um den 10,5 Lichtjahre entfernten Planeten zu erreichen, spielen leider nur eine Nebenrolle. Gerne hätte man mehr über diesen speziellen Antrieb gewusst und das, was mit dem Raum "vor und hinter dem Schiff" passiert!

Also was nun? Lesen oder nicht lesen. Der Rezensent meint, trotz aller Einschränkungen: Ja. Für Genre-Fans ein Muss! Denn spannend ist dieser dystopische Thriller allemal. Und irgendwie und leider auch topaktuell. Laura Lam schafft es, nicht nur, indem sie die Erzählperspektive des Prologs wieder aufnimmt und ihn damit auflöst, am Ende mit gleich mehreren Pointen so nicht erwartete Ausrufezeichen zu setzen!

 

Thomas Lawall - August 2021

 

 

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