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Literatur

Das alte Spiel
Gedichte


von Jochen Jung


168 Seiten
© 2017 HAYMON Verlag, Innsbruck-Wien
www.haymonverlag.at
ISBN 978-3-7099-7254-0



Wie in allen Gedichten geht es um Leben und Tod. In irgendeiner Form. Weitgehend jedenfalls. Richtig ernste Angelegenheiten also. Man kann es so oder so sehen. Und wie, verraten uns Jochen Jungs Verse. Jene Zeilen, die ihn regelrecht "bedrängen" ...

Literarische Dunkelfürsten sagen, wie es ist, manche verschlüsseln das, andere spielen Verstecken mit uns und wollen gar nichts preisgeben, andere blasen sich nur auf und ersticken an der eigenen Last, wollen vielleicht gar nicht verstanden werden oder verstehen sich selbst nicht. Manchmal verunstalten sie auch Sprache mit dieser entsetzlichen Kleinschreiberei.

Das Gegenteil erwartet uns hier. Denn wie heilsam und anregend kann da eine heitere oder gar selbstironische Perspektive sein. Fast lustig, ausgelassen und manchmal mit dezent erhobenem Zeigefinger. Das Unvermeidliche anklagend:

"Zwischen dem Sterben und dem Totsein
Ist nicht mal Zeit für ein Glas Rotwein ..."

Insgesamt gestalten sich die Gedichte formal extrem uneinheitlich. Wie es dem Dichter gerade gefällt. Wie Schicksal, Wind und Wetter. Vielleicht wie ein "Bart", der etwas "Ungefragtes" ist. Oder wie ein Warnhinweis auf einem Küchenreiniger. Ultrakurze, in sich abgeschlossene Geschichten funktionieren auch. Kleine Dramen sowieso.

Nichts ist, wie es scheint, und darf sich auch gerne widersprechen. Dann wird aus einem "Aus" ein "Ein", und man entdeckt staunend eine Korrektur:

"Zwischen dem Sterben und dem Totsein
Ist grad noch Zeit für ein Glas Rotwein ..."

Na also. Ein Hoffnungsschimmer. Wenn auch ein schwacher. Aber immerhin. Im Laufe des Lebens lernt man, mit immer weniger auszukommen. Gewaltige Bilderfluten können nicht mehr die Sinne betäuben und verführen. Und doch sieht man jetzt Dinge, die in schnell gelebten Jahren unsichtbar vorüberzogen.

Das könnte beispielsweise ein "Falter" sein, der mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist:

"Nicht mal ein Blatt fällt sanfter
zu Boden als er ..."

Es sind Zeilen, die wach machen. Die Augen öffnen. Ein Lächeln zaubern. Den Tag krönen. Und doch gilt es gelegentlich, den Schmerz des Autoren zu begleiten, zu verstehen, was ihn bewegt und manchmal schmerzt, ja gar zu heftig "drängt" und so etwas wie Geduld verlangt. "Gedichtideen" zum Beispiel:

"Ich hör in meinem Hinterkopf,
wie's rattert und wie's rumpelt..."

Ständig ist man versucht, sich die eine oder andere Zeile abzuschauen, um sie in das eigene Lebenskonzept zu verweben. "Kleine Wunder sind immer ein willkommener Trost". Das Leben etwas leichter zu nehmen, wo es eben geht. Vielleicht wie "Emma", die Möwe:

"Sie schaukelt lässig auf dem Wasser,
ihr Hintern wird dadurch nicht nasser..."

Selten so gelesen. Über allem Ungemach der Welt vergisst Jochen Jung das Augenzwinkern nicht. Wenn man das zulassen könnte, wäre die Lösung von allem in greifbarer Nähe. Lichtblicke gibt es überall und zu jeder Zeit. Selbst kurz bevor das Licht verschwindet. Diese Verse sind nicht alles - aber viel.

 

Thomas Lawall - April 2018

 

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