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Literatur

Dark Swan - Sturmtochter

von Richelle Mead


366 Seiten
© 2008 by Richelle Mead
© der dt. Ausg. 2010 bei EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
www.egmont-lyx.de
www.richellemead.com
ISBN 978-3-8025-8211-0



"Hey, Volusian, wie geht's?" Eugenie Markham braucht ihre "Hilfstruppen". Als ersten ruft sie Volusian, dessen Seele so verdammt ist, wie eine Seele nur sein kann. Was er zu Lebzeiten angestellt hat, weiß sie nicht. Es muss allerdings so schlimm gewesen sein, dass man ihn dahingehend verfluchte, niemals die Erlaubnis zu erhalten, das Totenreich zu betreten. Ruhelos wird seine Seele für immer sein. Volusian ist stinksauer, was bei ihm aber völlig normal ist. Die beiden verbindet eine ganz besondere Zuneigung. Seine Herrin will er dereinst auf grausamste Weise umbringen, doch bis dahin ist er an Eugenie Markham, breiteren gesellschaftlichen Schichten - vor allem in der Anderswelt - auch als Odile Dark Swan bekannt, gebunden.

Nandi war eine Zulufrau, die einst von ihrem Volk umgebracht wurde, da man sie der Hexerei beschuldigte. Dazu verflucht, niemals Ruhe zu finden, kommt es ihr gerade recht, in Odiles Diensten zu stehen, da sie nach drei Jahren Treue von ihr erlöst werden wird.

Der dritte im Bunde ist Finn. Im Gegensatz zum notorisch übellaunigen Volusian und zur dauerdepressiven Nandi ist er der einzige, der irgendwie gern in Odiles Diensten steht. Was er angestellt hat, ist ebenfalls nicht bekannt und wird auch nicht hinterfragt, da er aus freien Stücken der Truppe beisteht. Dass er nicht an Odile gebunden ist hat lediglich den Nachteil, dass er nicht unbedingt zur Stelle ist, wenn ihm gerade mal nicht danach ist ...

Es begann mit einem Turnschuh. Brian Montgomery hat extreme Probleme mit jenem. Er bereitet sich auf einen Marathon vor und bisher waren es immer seine Glücksschuhe. Jedenfalls bis der Tanz begann. Der rechte Schuh ist ja in Ordnung, aber mit dem linken klappt gar nichts. Permanent bringt ihn dieser Schuh zum Stolpern. Odile nimmt es zunächst nicht ernst und will, mehr oder weniger unwillig und so ganz beiläufig, den Schuh untersuchen. Das Pendel reagiert prompt und es stellt sich heraus, dass im Schuh ein außerordentlich unangenehmer Zeitgenosse haust. Sozusagen "ein Schuh mit Kampfgeist" also!

Eugenie beginnt ihre Standardzeremonie ... welche jedoch auch Nachteile besitzt, denn völlig unerwartet baut sich ein Dämon vor ihr auf, der sie um gut einen halben Meter überragt. Jetzt ist ein Ausbrechen aus dem zuvor angelegten Zauberkreis nicht mehr möglich. Dumm, dass der "Kerl" auch noch versucht, Eugenie anzubaggern, was sich allerdings durchaus als grober Fehler herausstellt! Interessant auch, dass er ihren Namen weiß ...

Es warten jedoch größere Aufgaben auf die Schamanin. Will Delanes hat ein ziemlich großes Problem. Seine Schweseter Jasmine ist von Feen in die Anderswelt entführt worden. An Halloween natürlich. Und selbstverständlich befindet sich die Welt, wie sich später herausstellen soll, in großer Gefahr. Wieder mal ...! Doch zunächst gilt es, die Entführte zu finden, welche jetzt zwangsweise ihre Tage am Hof des Feenkönigs Aeson verbringt. Dieser hat wahrlich Großes mit ihr vor, doch der mächtige König des Erlenlandes hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht und ahnt nicht, welches ebenso gnadenlose wie unkonventionelle Schicksal ihn ereilen soll ...

Richelle Mead bringt ordentlich Schwung in den Fantasy-Dschungel, da sie eine sehr lockere, ja fast spontan wirkende Erzählweise wählt! In "Sturmtochter" steht nicht nur die Handlung im Mittelpunkt, welche in anderen Romanen mehr oder weniger trocken konstruiert und erzählt wird. Im Fokus stehen Charakterzeichnungen der Hauptperson Eugenie Markham, aber auch der zahlreichen Nebendarsteller. Die Figuren atmen, leben, sind gut oder (meist) schlecht gelaunt und sie entwickeln sich weiter! Die in Michigan geborene und heute in Seattle lebende Autorin weiß mit viel Sprachwitz eine Geschichte zu erzählen, die dem Drachen- und Heldengedöns so mancher Fantasy-Schinken ordentlich Schmackes entgegensetzt. Herrlich ist die pointenreiche, selbstironische Erzählstruktur (welche im Mittelteil leider etwas nachlässt und erst am Ende wieder auflebt), die neben allem Ernst der jeweiligen Situation stets ein Augenzwinkern bereithält.

In diesem Fall bin ich nach der Lektüre der 366 Seiten keinesfalls der Geschichte überdrüssig. Um die Wartezeit bis zum zweiten Band der Reihe etwas zu verkürzen, werde ich wohl ein wenig zwischen den Welten umherspringen, wobei es sich ja in den Gefilden der Persephone nicht unbedingt empfiehlt, die Wegstrecke gar zu weit auszudehnen ...

 

Thomas Lawall - Oktober 2010

 

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