Literatur

Bai Ganju, der Rosenölhändler

von Aleko Konstantinow


168 Seiten
Copyright © dieser Ausgabe 2017 bei
Wieser Verlag GmbH, Klagenfurt/Celovec
www.wieser-verlag.com
ISBN 978-3-99029-269-3



Der "mobile Rosenölhändler" macht es Leserinnen und Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen. Ungehobelt ist er und eine Nervensäge obendrein. Auf den ersten Blick jedenfalls. Und auf den zweiten sowieso.

"Bai Ganju" schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben, denn sein Hauptaugenmerk legt er auf sein Begehr, sich irgendwo, möglichst kostenfrei, einquartieren zu können, unter besonderer Berücksichtigung entsprechend darzureichender Verpflegung.

Höflichkeit und Zuvorkommenheit sind für ihn Fremdwörter und auch in Sachen Reinlichkeit, welche sich "nicht gerade auf der höchsten Entwicklungsstufe" befindet, bleibt der eine oder andere Wunsch offen.

Sein Verhalten bei der Nahrungsaufnahme, insbesondere der Geräuschentwicklung, mit der "Armut und Farblosigkeit der Sprache" zu beschreiben, "bleibt ein aussichtsloses Unterfangen", womit der Autor, wie an anderer Stelle, sämtliche Register zieht.

Der naive Einfaltspinsel, die populärste, aber durchaus umstrittenste Figur der bulgarischen Literatur, stapelt gerne hoch und zeigt sich in diesem Zusammenhang durchaus redegewandt.

Aleko Konstantinow gelingt dennoch das Kunststück, diesen seltsamen Menschen in ein positives Licht zu stellen. Mann muss diese Figur trotz allem einfach mögen, auch wenn dies im Laufe der weiteren Lektüre immer schwerer fällt, wenn er sich beispielsweise anschickt, Wahlen massiv zu manipulieren.

"Du kannst mich hinschicken, wo du willst, mein Lieber, ich bringe dir jeden Kandidaten durch. Stell einen Esel auf - er wird gewählt...!"

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt, und dem Autoren allerlei unterstellt, was er uns wohl damit sagen mag.

Ob es Leserinnen und Lesern so gehen mag, wie den im Vorwort erwähnten "Testpersonen" des Autors, die sich vor Lachen nicht mehr auf ihren Stühlen halten konnten, müssen sie selbst herausfinden. Seine bittere Ironie dürfte, so wie sich das gehört, nicht wenigen Menschen bitter aufstoßen.

Wirklich lustig, wenn auch auf einem gewissen Niveau, scheint dem Rezensenten beispielsweise das Kapitel "Bai Ganju und Opposition? - Aber woher denn!" zu sein, sowie sich anschließende Briefwechsel oder jene "kleine Erzählung", die sich um die Gründung eines "Abstinenzlervereins" dreht.

Bleibt am Schluss nur noch eines zu bemerken, denn man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, diesen Mann irgendwoher zu kennen. Das kann doch keine reine Phantasiegestalt sein. Ganz sicher nicht.

Hat man ihn nicht unlängst einmal gesehen? An einem belebten Platz, große Reden schwingend, oder vorbeieilend in einer dunklen Gasse verschwindend? Saß er nicht in jenem Zug im Nachbarabteil, oder an einem kleinen Tisch in dem kleinen Café - wo war das noch gleich?

Oder sah man ihn gar in einem Spiegel?!

 

Thomas Lawall - August 2026

 

 

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