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Literatur

Am Abgrund und im Himmel zuhause


von Sabine Gruber


24 Seiten
© 2018 Haymon Verlag, Innsbruck-Wien
www.haymonverlag.at
ISBN 978-3-7099-3441-8



Wie es einem schon nach den ersten Zeilen den Boden unter den Füßen wegzieht. Wie der sichere Grund durch eine furchtbare Leere ersetzt wird. Wie einem die nächste Liebeserklärung an diesen gesegneten Verlag durch den Kopf geistert. Wie neugierig man ist, wie Sabine Gruber das Unvermeidliche ausdrücken wird.

Schon seltsam genug, aus einem Urlaub in Meran zurückzukommen und im Postkasten das Buch einer in Meran geborenen Autorin vorzufinden! Es ist einer jener merkwürdigen Zufälle im Leben, die gar nicht wie solche aussehen, aber dennoch welche sind.

Das dünne Büchlein ist ein Leichtgewicht und wiegt dennoch unendlich schwer. Vorsichtig formuliert, geht es in der Hauptsache um Verlust. Und jener hier ist endgültig. Ein weiteres Loch im Leben, welches für immer bleiben wird und niemals geschlossen werden kann. Irreparabel und allgegenwärtig:

"Wenn er wegbricht in meinem Inneren"

Allenthalben hält die schöne Welt der neuen Medien Einzug in die Literatur. Mitunter kommen sie dabei nicht gut weg. Die Autorin weiß dies nicht nur punktgenau zu unterstreichen, sondern jene dafür so unverzichtbar erscheinenden Gerätschaften in Grund und Boden zu schreiben:

"Tote Geräte, die ab und an
Aufleuchten wie Kerzen
Auf Friedhöfen."

Und was ist mit der vielbeschworenen Hoffnung? Jenem vermeintlichen Lichtlein, welches immer nur in weiter Ferne zu leuchten scheint? Gibt es gar Erlösung? Eine Art Freispruch vom selbstgezimmerten Sündenregister? Es sieht nicht so aus. Das Leben tut, was es will. Ein Irrtum zu glauben, wir Statisten hätten einen Einfluss darauf:

"Vom Zufall ausgewählt, gerade jetzt
Zu atmen."

Was am Leben hält sind Erinnerungen. Wem auch immer sie gestattet werden. Am Ende sind sie alles, was uns noch bleibt. Eine Weile jedenfalls. Bis das Leben weiterzieht, um andere Kulissen aufzustellen. Doch vorerst kann uns niemand die Gedanken nehmen. Erst wenn die lange Nacht kommt:

"Bild für Bild ziehen wir durch die
Zeiten, zeichnen, zaubern ..."

An die Ewigkeit zu glauben oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Sicher ist nichts auf dieser und allen anderen Welten. Sicher aber erscheint der Glaube an den unbezahlbaren Wert dieses Buches.

 

Thomas Lawall - August 2019

 

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