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Allgemeine Zweifel am weiteren Verlauf Stories
von Elise Schmit
304 Seiten © 2026 Luchterhand Literaturverlag www.luchterhand-literaturverlag.de ISBN 978-3-630-87827-0
Josien und Camino sind seit 21 Jahren befreundet. Josien trat einst in Amsterdam in das Leben der beiden Cousinen Camino und Marisol, die in Amsterdam Kunstgeschichte studierten. Die Wohnung dort bezahlten die Eltern, doch das Leben in der Stadt war alles andere als kostenlos.
Die Wohnung war eigentlich zu klein, ein winziges Zimmer direkt neben der Küche, nicht einmal mit einer Tür ausgestattet, sollte wegen der Geldnot untervermietet werden. Gesucht haben die Cousinen
"jemand Stilles und ein wenig Verzweifeltes."
Mit Erfolg, auch wenn die neue Mitbewohnerin zwar einen ruhigen und freundlichen Eindruck machte, aber "kein bisschen verzweifelt" war...
Eine andere Geschichte erzählt Bilder, die in einer neuen Wirklichkeit eine alte spiegeln. Eine selbstbewusste Reflexion, "zweckdienliche Hinweise" inbegriffen...
Wir lernen auch "Kosinsky" kennen, "die einzige Lehrerin, die sich vor der Klasse auch als Mensch zu erkennen gibt. Wobei das Kennenlernen sich hier, wie auch bei fast allen Personen, auf einer anderen Ebene abspielt, denn sie bleiben allesamt ohne Gesicht, was sie anders herum gesehen, in diesen Lebensabschnittsgeschichten auch gar nicht benötigen.
Es reicht völlig, wenn eine Person, nach allen anderen, bemerkt, dass sie in eine bestimmte Umgebung gar nicht hingehört, und dass jene begnadete Konzertpianistin irgendwie völlig aus der Zeit gefallen ist. Bemerkenswert ist die klare Sprache der Autorin, die es dennoch schafft, in gewisser Weise rätselhaft zu bleiben.
Leserinnen und Leser dürfen wählen, welchen Beobachtungsposten sie einnehmen möchten. Eine Möglichkeit wäre, sich gemütlich zurückzulehnen, um diese Geschichten aus sicherer Distanz zu genießen. Gut, dass die Probleme anderer ja nicht die eigenen sind.
Wenn sie wollen, können sie sich aber auch voll und ganz auf den schier unendlichen Raum zwischen den Zeilen konzentrieren, um, im besten Fall, die feinfühlige Spurensuche der Autorin millimetergenau zu enträtseln.
Beispielsweise um jene Warnzeichen, "fein wie Haarrisse", nicht zu übersehen oder so zu deuten, als hätten sie "mit dem Wesentlichen" nichts zu tun. Wobei jenes gar nicht so leicht zu definieren ist, sich in Momenten aber immerhin hin und wieder blicken lässt.
Hat man es schon gefunden, verloren, wird man es noch finden oder nimmt in Interpretationsorgien oder im intellektuellen Deutungsdschungel, schlicht bis zur Unkenntlichkeit wegargumentiert, überall selbstgebastelte Hindernisse wahr, wenn andere einfach weiterlaufen?
Wer also, wie auch immer, "allgemeine Zweifel am weiteren Verlauf" hegt, wird mit dieser Lektüre bestens bedient, denn wenn sich die Lebenswirklichkeiten verändern oder gar ganz zu verschwinden drohen, können ungemütliche Fluchten entstehen, aber auch völlig neue Horizonte.
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