Film

SOLARIS (2004)

Regie: Steven Soderbergh


Der Film Solaris ist eine Reise zu einem anderen Planeten. Chris Kelvin (George Clooney) wird aus seinem alltäglichen Leben als Psychotherapeut zur Raumstation Prometheus vor dem Planeten Solaris geschickt, weil sein alter Kollege ihn um Hilfe für ein Problem in der Forschungsstation im All bittet.

Dies Geschichte führt aber auch in eine andere Dimension, denn als Kelvin dort ankommt, wird er mit den Grenzen seiner analytischen Herangehensweise an menschliche Probleme konfrontiert. Sein Freund Gibrarian hat sich umgebracht und die zwei letzten überlebenden Besatzungsmitglieder lassen ihn die 'Fehlfunktion' der Mission erfahren. Oder besser erträumen.

Denn es geht hier auch um eine verdrehte Realität. Der Mensch ist in einer unbestimmten Zukunft so weit räumlich expandiert, dass er sich auch an die Grenzen seines Zeitverständnisses bewegt. Unter dem Einfluss des Planeten Solaris bekommen die Besatzungsmitglieder Besuch von Menschen aus ihrer persönlichen Geschichte. Im Traum. Die Geschöpfe scheinen jedoch real, so als seien sie menschlich. Das funktioniert aber nur in der reduzierten Welt der Raumstation. Kelvin trifft seine verstorbene Frau Rheya wieder, die sich nach einem Streit mit ihm umgebracht hatte.

Er glaubt an eine zweite Chance, die Möglichkeit jetzt alles richtig zu machen. Die beiden lieben sich wie früher, aber es ist alles nur eine Illusion, denn Rheya kann sich nicht erinnern oder genauer gesagt fühlt sie nichts bei ihren Erinnerungen. Und Kelvin scheint die Beziehung der Beiden nur durch seine Erinnerungen zu manifestieren. Die anderen Besatzungsmitglieder möchten die Besucher mit einem Energiesystem neutralisieren, aber Kelvin will sich nicht trennen. Obwohl er Rheya nach dem ersten Treffen in eine Raumkapsel gelockt und im All ausgesetzt hat. Sie erscheint aber jede Nacht, oder besser, in jeder Schlafperiode wieder. Als sie die Tretmühle, in der sich beide wie im Traum begegnen, erkennt, darunter leidet und neutralisiert werden will (was auch gemacht wird, sie kehrt aber trotzdem zurück), bringt sie sich wieder um.

Aber auch danach erfährt sie eine Wiedergeburt, die wie ein epileptischer Anfall dargestellt ist, was ich neben den wunderschönen Bildern und dem Soundtrack, die sich klar an Kubricks Meisterwerk 2001-Odyssee im Weltall orientieren, sehr gelungen finde. Denn ist es nicht so, dass nach der Erklärung und Erforschung fast aller naturwissenschaftlichen Zusammenhänge immer noch Sinnfragen offenbleiben? Warum schaltet sich das Gehirn in epileptischen Anfällen, Psychosen oder Neurosen selbst zumindest zeitweise aus?

Will die Psyche zu Gott? Welche Kraft interveniert und führt uns Grenzen vor? Oder ist die Liebe das letzte offene Zeichen, der paradiesische Zustand von Antworten und Gelassenheit. Aber die Liebe zu was? Zur Schöpfung? Zur Vergebung für die Zerstörung derselben? Zum anderen Menschen? Um den anderen genannten Metarealitäten zu entgehen?
Kelvin verbohrt sich in die Hoffnung der Glückseligkeit zu zweit, will auch notfalls mit seiner Frau im All bleiben um den Fehler, seine Rheya kurz vor ihrem Selbstmord alleingelassen zu haben, wiedergutmachen.
 
Der Egoismus gipfelt in schrecklichen Erkenntnissen und durch die Energie, die zur Neutralisierung der Besucher gebraucht wird, bleibt nicht mehr genug Kraft, um Prometheus aus der Anziehungskraft des gleisenden 'Solaris' herauszusteuern.

Der Film endet in einem paradiesischen Zustand von Vergebung und zweisamer Unendlichkeit für Kelvin und Rheya, der auf den ersten Blick sehr christlich anmutet. Im Grunde wird die Frage, was denn jetzt Schein, Traum oder Realität war/ist, aber so auch nicht beantwortet. Der fehlbare Mensch ist auch in diesem Zustand der Vergebung seiner Fehler nicht vor neuen Fehlern geschützt, im Gegenteil vielleicht fehlt gar der Leidensdruck, sie zu vermeiden.

So bleiben Fragen: Was ist Liebe? Eine gemeinsame Projektion oder zweifacher Egoismus? Was ist der Sinn? Vor allem, wenn ein von der Zeit losgelöstes Leben, das kein Ende mehr aufweist und durch verschwommene Erinnerungen (die Unfähigkeit zu sehen, wird durch viele unscharfe Einstellungen illustriert) auch keinen Anfang, im Grunde die menschliche Vorstellung übersteigt.

Bin das ich oder ich als mein Besucher?

Ein faszinierender Film, der viele Fragen auf sehr ästhetische Weise aufwirft und dabei auch noch gut umgesetzte romantische und Thriller-Motive aufweist. Anscheinend soll das Original von 1972, das der russische Regisseur Andrej Tarkowskij nach dem Roman von Stanislaw Lem gemacht hat, noch besser sein.

 

 

Alex Pfizenmayer - 14.3.2003

 

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